Wir in der Presse
Vídeňské svobodné listy, 16.02.2026
Beitrag unserer Vereinsobfrau über 6 Monate Verein CzechPunkt in Vídeňské svobodné listy
Deutschsprachige Übersetzung des Artikels
Vídeňské svobodné listy / Wiener freie Blättern vom 16. Februar 2026
Die ersten sechs Monate des Vereins CzechPunkt
Der Verein „CzechPunkt“ feiert das erste halbe Jahr seines Bestehens. In diesen sechs Monaten begab sich ein kleines, aber begeistertes Team auf Schatzsuchen, gestaltete kreative Aktivitäten mit Kindern, lernte neue Freunde kennen und erinnerte im österreichischen Umfeld an tschechische Traditionen. Begleiten Sie uns und werfen Sie einen Blick darauf, wie eine Gemeinschaft entsteht, die Menschen, Sprache und Kultur miteinander verbindet.
Der Verein CzechPunkt hat bereits sechs Monate seines Bestehens hinter sich. Noch ist er ein kleines Baby, aber er tapst schon ganz schön herum, freut sich über seine Welt, ist ständig neugierig und hungrig. Und er geht auf Ausflüge – vor allem mit Freunden, die meist schon ein bisschen älter sind und deshalb viel mehr schaffen.
Auf der Suche nach dem Schatz des Eisernen und Goldenen Königs
Schon zweimal haben sie sich gemeinsam auf die Suche nach dem Schatz von Přemysl Otakar II. gemacht. Erlauben Sie mir daher, sehr geehrte Leserinnen und Leser, Ihnen einen kurzen Auszug aus dem Protokoll über den Verlauf beider Expeditionen vorzulegen.
„Auf der Grundlage einer Geländeforschung im Gebiet der Südoststeiermark entstand die Hypothese, dass ein Teil des beweglichen Vermögens des sogenannten „Eisernen und Goldenen Königs“ gegen Ende seiner Herrschaft in der hügeligen Landschaft rund um das heutige Graz verborgen worden sein könnte. Die Theorie des sogenannten steirischen Depots wurde von der akademischen Gemeinschaft bislang nicht bestätigt; laut der Hauptkoordinatorin der Forschung, Tereza Wolfmayr, könnte es sich jedoch um ein ausgeklügeltes System der Geheimhaltung handeln, das vom Herrscher selbst aktiviert wurde. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit einem generationenübergreifenden und interspezifischen Forschungskonsortium initiiert, dessen zentrale Mitglieder die Juniorforscherin Matilda (imaginative Archäologie) und Felix – Felis catus, Linie Grazensis domestica, Analyst häuslicher Territorien – sind. Ziel der Expedition ist die Rekonstruktion mittelalterlicher Narrative, die Identifikation goldhaltiger Signale sowie das Testen der Kooperation menschlicher und nichtmenschlicher Forschender. Nach der ersten Phase der Forschung (Schloss St. Martin, 20. 9. 2025) und dem Fund eines Kartenfragments richtete das Team seine Aufmerksamkeit auf das Gebiet rund um Schloss Lustbühel. Die zweite Phase der Geländeforschung fand dort am 15. 11. 2025 statt. Historisch wie auch geomorphologisch erschien der Ort als idealer Kandidat für die Lage des steirischen Depots; diese Hypothese wurde im Verlauf der Forschung jedoch eindeutig widerlegt. Das Fundpotenzial des Ortes erwies sich als begrenzt. Es wurden Diamanten in einer Menge von einem Stück pro Expeditionsmitglied identifiziert, wobei ihr Wachstumszustand nicht den ursprünglichen Erwartungen entsprach. Das Team teilte sich in mehrere interpretative Fraktionen – von skeptisch über mäßig optimistisch bis hin zu radikal optimistisch, die sogar standardisierte Tafeln Milchschokolade als bedeutenden Hinweis auf den Wert des Schatzes betrachtete. Als außergewöhnliches Nebenergebnis der Forschung kann die Rettung eines Wohnraums mehrerer Entitäten mit bislang nicht vollständig geklärtem ontologischem Status bezeichnet werden (vorläufig klassifiziert als Feen- und Koboldwesen). Die Gefährdung ihrer Existenz wurde rechtzeitig erkannt und mit maßgeblicher Unterstützung des Gesandten der Stadt Graz, Ritter Albert, erfolgreich beseitigt. Trotz unterschiedlicher Auffassungen bewies die Expedition erneut ein hohes Maß an Zusammenhalt. Wiederholt wurden Akte der Solidarität verzeichnet, insbesondere im Bereich des Teilens von Inhalten wiederverwendbarer Jausenbehälter. Am Ende des zweiten Expeditionsteils kündigte die Leitung eine vorübergehende Unterbrechung der aktiven Feldforschung und den Übergang in einen Winterforschungsmodus an, der Archivarbeit, Analyse von Kartenfragmenten und systematische Vorbereitung auf die nächste Phase kombiniert.“
Und genau diese ist nun für Samstag, den 14. März 2026 geplant. Die Expeditionsleitung und ihre Teilnehmerinnen
und Teilnehmer begrüßen mit Freude neue, bislang unerfahrene – und damit auch noch unverbrauchte – Mitglieder
der Expedition.
Advent, Mikuláš und zwei Welten
Natürlich lässt sich die Vorweihnachtszeit nicht einfach nur vertrödeln, natürlich haben wir uns auch getroffen. Der Nikolaus und ein Engel kamen uns besuchen, extra aus Tschechien – eine lange Reise, es hat eine Weile gedauert. So hatten Kinder aus tschechisch-österreichischen Familien, die mindestens zwei Welten in sich tragen,
die Gelegenheit, traditionelle tschechische Advents- und Weihnachtsbräuche kennenzulernen. Sie sangen Weihnachtslieder, bastelten Engel aus Bast, gossen Wachs, schnitten Äpfel auf, ließen Nussschalen-Boote schwimmen, naschten dabei allerlei Köstlichkeiten und lachten viel – wirklich sehr viel. Der Nikolaus fand wunderbare Räumlichkeiten im Nachbarschaftszentrum im Grazer Stadtteil Geidorf, und sicher waren wir dort nicht zum letzten Mal.
17. November: Erste tschechisch-österreichische Veranstaltung für die breite Öffentlichkeit
Der Verein CzechPunkt veranstaltete seine historisch erste tschechisch-österreichische Veranstaltung symbolisch am 17. November, dem Jahrestag der Samtenen Revolution. Der Abend stand im Zeichen der Erinnerung an die Atmosphäre von Zusammenhalt, Mut und Hoffnung, die Tschechinnen, Tschechen, Slowakinnen und Slowaken bis heute mit dieser Zeit gesellschaftlicher Veränderung verbinden. Ziel des Abends war es nicht nur, an diesen Schlüsselmoment der modernen Geschichte zu erinnern, sondern auch Solidarität mit jenen auszusprechen, die auch heute Unterdrückung, Unfreiheit oder Aggression ausgesetzt sind, und das Gefühl zu teilen, dass es Sinn hat, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Die Vorführrechte für den Film „Pan Nikdo proti Putinovi/Herr Niemand gegen Putin“ wurden von der Initiative „Milion chvilek pro demokracii/Million Momente für die Demokratie“ übernommen, und wir zeigten ihn in den Räumen der Bildungseinrichtung „Urania Steiermark“ im Zentrum von Graz. Dass zu dieser ersten Veranstaltung für die österreichische Öffentlichkeit – noch dazu zu einem russischsprachigen Film mit tschechischen Untertiteln – vierzehn Zuschauerinnen und Zuschauer kamen, erfüllt die Vertreter des Vereins mit stiller Freude. Und der Abend hatte auch eine unerwartete und unschätzbare emotionale Dimension: Wir hatten wirklich einen guten Film ausgewählt, und gemeinsam mit drei ukrainischen Teenagern eine russische Mutter zu sehen, die um ihren gefallenen Sohn trauert, war ein außergewöhnlich starkes Erlebnis.
Winterausflug nach Klagenfurt
Das neue Jahr (und auch die kürzliche Eröffnung des Koralmtunnels) feierten wir bereits am 25. Januar 2026 mit einem Winterausflug. Es ist kein Gerücht – in knapp 45 Minuten erreichten wir mit dem Zug Klagenfurt. Trotz Eis und Wasser auf dem Weg vom Bahnhof rutschten wir unversehrt bis zum Ziel. Das Wetter erwies sich als ideal für einen Galeriebesuch, und die „Stadtgalerie Klagenfurt“ empfing uns nicht nur mit Kunst, sondern auch mit außergewöhnlicher Herzlichkeit. Fünf Kinder genossen den Tag in vollen Zügen. Nach einem kurzen Rundgang durch die Ausstellung „HUBERT SCHMALIX: Once Upon a Time…“ machten sich die Kinder selbst ans kreative Arbeiten. Während des Malworkshops entstanden bunte Werke, die eines Tages sicher die ersten Dekorationen
an den Wänden unseres eigenen, bisher nur erträumten Vereinsraums sein werden. Die Kinder spielten, gestalteten
und plauderten die ganze Zeit auf Tschechisch, und außerdem lernten wir Charlottka aus Klagenfurt kennen – unser Landsleutekreis ist damit wieder ein Stück gewachsen. Ein großer Dank gilt der Landsfrau Barbara Schnitzer von der „Stadtgalerie Klagenfurt“ für das reichhaltige Programm und die außergewöhnliche Gastfreundschaft, Kristina Steindl vom tschechischen Honorarkonsulat in Graz für die großartige Bewirtung und nicht zuletzt unseren Kindern, die diesen farbenfrohen Tag mit bewundernswerter guter Laune, Geduld und Ausdauer begleiteten.
Tschechisch im Kino
Am Sonntagvormittag, dem 1. Februar 2026, besuchten wir mit den Kindern das KIZ RoyalKino in Graz, wo kurze Filme für die Kleinsten gezeigt wurden. Fünfzig Minuten in entspannter Atmosphäre bestätigten, dass Kinderlachen, Geplapper und ein wenig Chaos ganz selbstverständlich zum Filmerlebnis dazugehören können. Zwischen den einzelnen Vorführungen gab es Raum für kurze Gespräche, gemeinsames Spielen und die Einbindung
des Publikums – und die tschechische Sprache klang hier ganz selbstverständlich und ohne Scheu. Wir schätzen sehr die offene Haltung des Kinos, das uns antwortete, dass alle Sprachen willkommen sind und sprachliche sowie kulturelle Vielfalt aktiv unterstützt wird. Gerade solche Orte schaffen Raum für echte Begegnungen. Die Filmreihe wird bis Ende April dreimal monatlich fortgesetzt, und wir werden weiterhin dabei sein.
Was wir als Nächstes planen
Und was erwartet uns als Nächstes? Singen mit der Chorsängerin, Dirigentin und Musikpädagogin Zuzana Ronck, eine Präsentation des Buches „Kacířské eseje o budoucnosti svobody a demokracie“ des Philosophen Václav Němec mit anschließender Diskussion mit dem Autor, eine kleine Schau neuer tschechischer Filme im Rechbauerkino, ein Grazer Ableger des erfolgreichen Wiener tschechisch-slowakischen Pub-Quiz sowie die Gründung der größten privaten öffentlichen virtuellen Bibliothek tschechisch veröffentlichter Literatur – das sollen nur kleine Appetitanreger sein, um Ihre Neugier zu wecken. Ideen gibt es viele, die Pläne werden nach und nach verwirklicht, und träumen werden wir ohnehin immer weiter. Aktuelles finden Sie auf unserer Website www.czechpunkt.cz, und Sie finden
uns auch in den sozialen Medien. Dort gibt es auch mehr Fotos, als hier Platz hatten. Vielleicht sehen wir uns bald persönlich – ich freue mich darauf.
